Lernen, Unterricht, Wissen, Allgemeinwissen, Bildung

„Wozu brauche ich das später?“ Warum das Lernen zu lernen so wichtig ist...

„Wozu brauche ich das später?“, ist eine Frage, die häufig gestellt wird. Manche Schüler/innen fühlen sich, als würden sie im Lernstoff „ertrinken“, der Notendruck ist hoch und einige Fächer, wie z.B. Mathematik, scheinen vielen besonders schwer zu fallen. Da fragt man sich oft, ob denn das Gelernte auch wirklich jemals gebraucht wird.

Jetzt könnte man eine lange Diskussion darüber starten, wie wichtig es wäre, unser Schulsystem zu sanieren, eine größere Differenzierung, basierend auf Talent und Interesse mit dem entsprechenden Leistungsgruppen und Raum für mehr individuelle Entwicklung zu schaffen. Auch die Entrümpelung und Modernisierung des Lehrplans ist ein großes Thema. Diese Diskussion sprengt allerdings den Rahmen unseres Artikels.


Worum es uns heute geht, ist die enorme Wichtigkeit, das Lernen an sich zu lernen.


Kleinkinder lernen intuitiv und beiläufig durch Erfahrung und Ausprobieren. Je älter wir werden, desto schwieriger fällt uns der Lernprozess, je nach Veranlagung. Wir tendieren dazu, die Dinge, die uns leicht fallen, gerne zu tun, und vermeiden jene, die uns schwerer fallen.
Dabei ist es in unserem Alltag jedoch unumgänglich, uns auch Wissen und Fertigkeiten anzueignen, die nicht unbedingt unserem Talent oder Interesse entsprechen.


Besonders in der heutigen, schnelllebigen Zeit, in der wir nicht wissen, welche Entwicklungen noch auf uns zukommen, lohnt es sich, eine breite
Allgemeinwissensbasis zu entwickeln, um Zugang zu diversen Möglichkeiten zu schaffen, um vernünftig nachzufragen und hinterfragen zu können und um sich, bei Bedarf, Dinge schnell aneignen zu können.
Selten wissen wir im Jugendalter schon, wohin die Reise später gehen wird, und auch in der späteren, präferierten Berufswahl kommen Aufgaben auf uns zu, die uns nicht immer leicht fallen und für die wir uns neues Wissen aneignen müssen.
Dabei hilft es sehr, wenn man das Lernen schon trainiert hat.


Der frontale Teil unseres Hirns, der präfrontale Cortex, mit dem wir höhere assoziative Leistungen und auch unsere emotionale Steuerung bewerkstelligen, entwickelt sich beim Menschen bis zum 20. Lebensjahr und darüber hinaus. Diese langsame Entwicklung erlaubt es dem Menschen, sich optimal an den jeweiligen Lebensraum anzupassen. Und genau in dieser Entwicklungsphase wird durch diverse Lernprozesse die Neuentwicklung von Nervenzellen angeregt, die die Leistungsfähigkeit des Gehirns steigern.
Einfach gesagt: Je mehr wir in der Kindheit und Jugend lernen und je mehr Wissen wir uns aneignen können, desto besser funktioniert unser Gehirn und umso besser können wir uns auch später, im Erwachsenenalter, neue Sachverhalte merken.


Beim Lernen spielen viele Faktoren eine Rolle. Der emotionale Zugang ist einer der wichtigsten.
Wenn wir Wissen generell als inneren Reichtum betrachten und mit Neugier und einer positiven Einstellung an schwierige Themen herangehen, wird uns das Lernen viel leichter fallen.


Auch wenn wir in unserer späteren Laufbahn keine Exponentialfunktionen berechnen oder einen Vortrag über geschichtliche Vorkommnisse halten müssen, so ist es doch durchaus erstrebenswert und nützlich, dies schon einmal gelernt zu haben. Damit kann man Zusammenhänge besser verstehen, neue Informationen schneller verarbeiten und mit verschiedensten Menschen in Verbindung treten.
Was wir einmal gelernt haben, auch wenn wir es wieder vergessen, kommt viel schneller in unser Gedächtnis zurück, als Dinge, die wir uns neu aneignen müssen.


Wie der Genfer Schriftsteller, Philosoph und Pädagoge Jean-Jacques Rousseau sagte:
„Man muss viel gelernt haben, um über das, was man nicht weiß, fragen zu können.“

0
Feed

Einen Kommentar hinterlassen